Wenn Sie Rufen. 7 Thesen über Tote.

1.

die toten rufen? was haben sie zu sagen? was wollen sie? haben wir etwas versäumt?

2.

kaum sind sie tot, sollen sie uns gehören. sie können sich nicht mehr wehren. wir bestimmen, wer sie waren.  unser bildnis steht nun fest. und keiner soll dran rütteln. s i e können es ja nicht mehr.

3.

faszinierend, diese frühvollendeten. die angeblich so früh haben gehen müssen. die wir uns nicht als ältere vorstellen wollen. wir können es nicht, sagen wir. wir wollen es nur nicht. schwarzromantische sterbeverklärung. wir wollen auch nur betrauert werden wie jim morrisson. und wissen, es wird keiner tun.

4.

die engsten angehörigen sind am erpresserischsten. nur s o war ihr mann, ihr kind, ihre schwester. pietät als zensur.

5.

wir schämen uns vor den toten, daß wir überlebten. wir beneiden sie, daß sie es hinter sich haben. die meisten vergessen wir immer mehr. die wir nie vergessen, an die erinnern wir uns nur mit goldrand. siehe oben.

6.

“du weißt es jetzt”,

ließ ich nach louis ferdinand jägersbergs (1965-2005) tod im lokalblatt erscheinen.  natürlich hätte ich auch schreiben können: “du weißt jetzt nichts mehr”. wie kann einer tot sein, der lebte? d a s verstehen wir überhaupt nicht.

7. die toten, sie rufen. aber wir verstehen ihre worte nicht. schließlich verhallen sie. in hundert jahren lebt keiner mehr, der sie kannte.

 

 

 

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