timisoara

er wohnte da seit jahren.

sorin sopon.

er saß auf der vortreppe des bahnhofs

mit seiner flasche und krakeelte.

bahnhofspolizei kam, drei schwarzuniformierte

junge schläger mit genervtem dauergrinsen.

er solle weggehen, ruhig sein.

sorin schwenkte seine flasche und blieb.

weil er da ja wohnte.

sie holten einen eimer und übergossen ihn mit wasser.

er bedankte sich höhnisch, krakeelte weiter und

rief nach seiner mutter.

da trat der erste.

sopon ließ die flasche fallen und

stand schon fast, als ihn der zweite tritt in die nieren traf

und nun fiel er rückwärts.

sie hätten ihn auffangen können,

natürlich taten sie es nicht:

blut und rotwein.

die platzwunde war sehr groß und vielleicht tief.

sie hatten ihren auftrag erfüllt.

weil er nun nicht mehr krakeelte.

er jammerte nur noch leise.

ich ging ins büro der polizei an gleis eins

und fragte, was ich tun könne.

nun, erwiderte der chef,

sie können ihn ins krankenhaus mitnehmen

und für ihn bezahlen.

die nähen ihn dann und schicken ihn zurück

zu uns auf die treppe.

willkommen in rumänien.

er wohnt hier seit 10 jahren.

er war mal maurer oder zimmermann.

kein schlechter kerl, aber es wird ihn keiner mehr nehmen.

was soll er auch machen, außer trinken?

lesen?

die platzwunde ist nicht schlimm, gehen sie in die apotheke und

kaufen sie desinfektionsmittel.

wir haben nichts dagegen, daß er auf der treppe wohnt.

solange er dabei leise ist.

wir sprachen französisch, was mich wohl davor rettete

wegen einmischung in die angelegenheiten der bahnpolizei oder

arroganter ausländischer anmaßung

festgenommen zu werden.

so fanden sie meinen auftritt

mehr komisch als ärgerlich.

einer der bahnbullen hatte eine erleuchtung:

kaufen sie eine flasche wasser und

krempeln sie die ärmel hoch,

sagte er.

er sah aus wie wolfgang stumph.

ich beschloß,  ihn freundlich und wohlwollend zu finden.

wir nahmen eine sackkarre

und gingen wieder auf die vortreppe.

wir luden sorin sopon auf die karre

und schoben ihn zu einem abgestellten zug.

stumph und ich gingen in ein abteil und die anderen beiden

schoben ihn uns durch das fenster zu.

ich legte ihm die wasserflasche in der arm und

wir ließen ihn schlafen.

am nächsten tag brachte ich ihm gebäck und

gebrauchte kleidung.

stumph warnte mich heiter:

christ sein ist schön, sagte er,

als ich ihm erklärte, warum ich das machte,

ich wäre auch gerne christ, wenn ich einen andren beruf hätte.

aber die kriminellen hier wissen schon längst,

daß sie im hotel nord hier am bahnhof wohnen.

die kommen vielleicht nachts und suchen nach ihrem

vielen geld.

wer obdachlose kleidet und mit teigtaschen füttert,

der muß geld haben.

reisen sie also ab.

am besten heute.

wir können sie nicht schützen.

eigentlich wollen wir es auch nicht.

ich bedankte mich, winkte sopon nochmal zu und

schob nachts einen stuhl

unter die klinke meiner zimmertür,

schlief sehr schlecht und am nächsten tag reiste ich ab.

dies ist eine wahre geschichte, sie spielt 2006

und der mann heißt wirklich

sorin sopon

und was aus ihm wurde, das weiß ich nicht.

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